Pyin Oo Lwin – Stadt der Blumen und Wasserfälle

In Pyin Oo Lwin war das Wetter und die Umgebung schon deutlich anders als in Bagan oder Monywa. Pyin Oo Lwin liegt auf einer Höhe von etwa 1000 Meter. Die Landschaft war viel grüner und die Luftfeuchtigkeit auch etwas höher. Pyin Oo Lwin ist auch bekannt für den botanischen Garten. Dorthin fuhren wir auch direkt am ersten Tag und zwar zu meiner Freude mit dem Fahrrad. 🙂 Auch wenn wir teilweise auf der sehr stark frequentierten Hauptstraße fahren mussten, war die Abwechslung der Art der Fortbewegung super. Im botanischen Garten merkten wir wieder, das wir außerhalb der Saison in der Regenzeit unterwegs waren. Es war sehr matschig und leider waren die Vogel-Volieren und das Schmetterlingshaus geschlossen.


Am nächsten Tag mieteten wir uns vormittags ein Moped beim Hotel um zu dem großen Wasserfall bei Pyin Oo Lwin zu fahren. Wir fuhren soweit es ging damit an den Wasserfall heran, die letzte Strecke mussten wir zu Fuß gehen. Wir entdeckten direkt einen kleinen Trampelpfad und steuerten diesen zielstrebig an. Es war ein sehr matschiges Unterfangen und streckenweise mussten wir etwas klettern. Im Gegensatz zu Joachim, der Turnschuhe trug, hatte ich nur meine treuen 15 Jahre alten Flipflops an. Da es mit diesem Schuhwerk doch sehr rutschig war, ging ich streckenweise einfach barfuß. Ich blendete alle möglichen Gefahren durch Spinnen im Gestrüpp aus und tastete mich barfuß den Weg lang. Ich beruhigte mich damit, dass ich bis jetzt noch keine größeren Spinnen in Myanmar gesehen hatte. Die Affen auf dem Mount Popa waren das gefährlichste was uns bis jetzt an Tieren begegnet war. 😉
Am Ende des Trampelpfades waren wir auch am Wasserfall. Jedoch leider oben am Wasserfall, wir konnten noch nicht einmal viel sehen, da es sehr zugewuchert war. Fazit: das wohl der falsche Weg. Der nächsten Weg, den wir gingen, war schon eher eine kleine Straße. Da meine Flipflops jetzt sehr nass und matschig und dadurch rutschig waren, konnte ich diesen steilen Weg nur schwer runter gehen. Anscheinend haben aber mehrere dieses Problem: ich bekam von geschäftstüchtigen Frauen ein paar Leih-Flipflops hingestellt. Damit ging der Abstieg dann besser. Der Weg zum Ende des Wasserfalls war ziemlich lang und steil. Aber unten angekommen konnten wir den riesigen Dat Taw Gyaint Waterfall bewundern. Der Weg nach oben war jedoch sehr anstrengend, hier war etwa eine Luftfeuchtigkeit von 90-95 %. Sehr schweißtreibend!

Ich habe mir gewünscht nachmittags zu dem zweiten Wasserfall, den Pwe Gauk Waterfall, zu Fuss hinzuwandern, denn dann sieht man mehr von der Gegend als wenn man mit dem Motorrad schnell vorbeifährt. Also bekam ich diesmal die Aufgabe der Navigation übertragen. Ich suchte einen Weg mit Google-Maps raus, der größtenteils nicht an der Hauptstraße lang führte. Es war auch sehr schön, bald führte uns meine Route runter von der Straße und wir liefen durch Blumenfelder, Frauen saßen am Rand und sortierten die Blumen zum späteren Verkauf auf dem Markt. Jetzt wusste ich auch warum Pyin Oo Lwin "City of flowers" gennant wurde, nicht nur wegen dem botanischen Garten.
Diese Blumenfelder waren ein so schöner Anblick. Ich war total glücklich diesen Weg rausgesucht zu haben. Wir ließen uns auch nicht durch riesige Pfützen aufhalten und krakselten teilweise ein wenig seitlich des Weges im Gebüsch um weiterzukommen.
Schließlich verließen wir die Blumenfelder und gingen wieder auf einer normalen Straße. Kurz danach hielt ein Auto neben uns und der Fahrer sprang raus. "What are you doing here? Go back to gate, go back to gate!" Bald verstanden wir was er wollte. Wir sind irgendwie in eine "restricted area" also Militärgelände gekommen. Wir folgten den Anweisungen des Mannes und gingen zum nächsten Ausgang, den er uns zeigte. Wir merkten auf dem Weg dahin schon, dass uns alle etwas beobachteten. Am Gate angekommen konnten wir natürlich nicht direkt raus. Wir wurden aufgefordert uns zu setzten und das war keine nette Bitte. Die beiden Wachhabenden konnten jedoch wenig Englisch und wir konnten uns nicht verständlich machen, wie wir in das Militärgelände gelangt waren. Es kamen immer mehr Uniformierte, die uns Fragen stellten. Schließlich durften wir zeigen, wie wir in das Gelände gekommen waren. Da Joachim eindeutig den besseren Orientierungssinn hat, fuhr er begleitet von drei Soldaten den Weg mit Roller zurück.
Ich saß weiter am Tor auf meinem Stuhl und fragte mich, ob wir hier je wieder rauskommen würden. Auch wenn hier keine Militärdiktatur mehr war, das Militär ist immer noch bedeutend und mächtig. Zu mir hatten sich nun zwei nette Frauen gestellt, die anscheinend Militärangehörige waren. Die beiden konnten auch etwas besser Englisch und fragten mich sehr interessiert aus. Woher wir kommen, wo wir vorher waren, wie das Wetter in Deutschland ist… In meinem phantasievollem Kopf dachte ich, dass das grad bestimmt eine Verhörtechnik sei und sie Joachim zeitgleich auch interviewen und unsere Antworten abgleichen. Die Warterei kam mir ewig vor. Dann kam ein sehr autoritär wirkender Mann, der die beiden Frauen wegschickte und kurz und bestimmend "Passport, Visa" sagte. Oje, jetzt war meine innere Ruhe endgültig vorbei. Er war auf jeden Fall ein ranghöherer Offizier als die übrigen. Ich gab ihm meinen Pass und das Visa für Myanmar. Dann sagte er kurz nach einem Blick in meinen Pass: "Bremen" ich stotterte irgendwas von meiner Geburtsstadt und so, doch dann sagte er: "Yes, I know. Bremen. Werder Bremen. My favorite." Das war der Moment in dem ich etwas entspannter wurde, wenn er Bremen-Fan war, dann hatten wir ja schonmal eine Gemeinsamkeit. In diesem Moment kam auch Joachim wieder. Es zeigte sich, dass sie nun unsere Geschichte verstanden und uns glaubten, dass wir unwissend in das Militärgelände gekommen waren. Es wurden noch unsere Pässe fotografiert ebenso wie meine Route auf Google-Maps und die Militärs vergewisserten sich, dass wir keine Fotografien auf dem Gelände geschossen hatten. Dann durften wir endlich nach zirka einer Stunde weiter gehen. Glücklich vor Erleichterung zeigte ich dem Bremen-Fan aus Myanmar noch Fotos vom Weser-Stadion. 🙂
Leider mussten wir nun den Rest des Weges zum Wasserfall an der Hauptstraße langgehen.
Der Pwe Gauk Wasserfall war auch schön, wobei auch touristisch mit Eintrittsgeld und Souvenierständen.

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